China – Bodenerosion auf dem Lößplateau

Im tief zerschnittenen nordchinesischen Lößplateau rekonstruieren Yong Li (Prof. Dr. Yong Li, Institute of Mountain Hazards and Environment, Centre for Mountain Environment Research, Chinese Academy of Sciences, Chengdu, China) und Hans-Rudolf Bork erstmals den Verlauf und das Ausmaß der Landschaftsveränderung in den vergangenen Jahrtausenden.

Unser erstes Untersuchungsgebiet liegt etwa 300 km nördlich der alten Kaiserstadt Xi´an und 25 km nördlich von Yan´an in der Provinz Shaanxi. Hier befindet sich das Dorf Yangjuangou am Südhang eines Riedels mit dem Namen Zhongzuimao. Die Täler haben sich mehr als 150 Meter tief in die mächtigen Lösse eingeschnitten.

Das Einzugsgebiet von Yangjuangou mit dem Riedel Zhongzuimao nimmt eine Fläche von 2 km2 ein. Erste überraschende Ergebnisse finden Sie in Heft 2/2002 von Petermanns Geographische Mitteilungen, die wir nachstehend zusammenfassen.



Zeichnung Gerd Klose

Über lange Zeit wuchs am Zhongzuimao eine bis zu 9 m hohe Ackerterrasse auf. Nachdem der über Jahrtausende entstandene Boden vollständig erodiert worden war, begann vor etwa 3 200 Jahren das allmähliche Aufwachsen der Ackerterrasse. Weniger als 10 Tonnen Boden pro Hektar und Jahr wurden in den folgenden mehr als 3 000 Jahren im Mittel oberhalb der Ackerterrasse erodiert – in Anbetracht der Steilheit des Hanges und des leicht abtrgabaren schluffigen Substrates nahezu eine nachhaltige Entwicklung.

Erst seit den 1950er Jahren ist das Ausmaß der Wassererosion dramatisch. Wenige hundert Meter westlich des Zhongzuimao konnten wir das Ausmaß der jüngsten Bodenerosion bilanzieren: 228 Tonnen Boden wurden dort pro Hektar und Jahr abgespült und vor einem Damm in dem kleinen Tal abgelagert. Ursachen der im Vergleich zu den Jahrhunderten zuvor mehr als zwanzigfach höheren Bodenerosion sind größere Felder, veränderte Fruchtfolgen und Anbaufrüchte seit den 1950er Jahren.

Das Ausmaß der pflugbedingten Bodenverlagerung wurde in einem Experiment quantifiziert. Demnach verursachen die heutigen Ackerbautechniken am untersuchten Steilhang Zhongzuimao eine Verlagerung von etwa 9 Tonnen Boden pro Pflugtätigkeit und Hektar. Vor 1950 war die pflugbedingte Bodenverlagerung unbedeutend.

Hans-Rudolf Bork und Yong Li

 
 

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