Kultur und Natur im Osten der Poike Halbinsel (Osterinsel)

Im Osten der Poike-Halbinsel vernichtet starke Bodenerosion seit Jahrzehnten bedeutende Kulturdenkmäler und fruchtbare Böden. Die Bodenerosion trägt Ahus und Gräber, Brandschichten und Reste früherer Palmwälder und Hinweise auf Ackerbau ab. Das unfruchtbare Gestein gelangt dadurch zunehmend an die Bodenoberfläche. Eine erosionsbedingte Wüste entsteht. Die Bildung neuer Böden wird Jahrhunderte dauern.

Der Osten der Poike-Halbinsel

Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel in Deutschland haben begonnen, die Geschichte der Poike-Halbinsel zu entschlüsseln. Eine mehr als 100 m hohe Steilküste begrenzt die Poike-Halbinsel im Osten. Eine langer, konkaver Hang läuft zum oberen Rand der Steilküste. Hier wurde die Landschaftsentwicklung des vergangenen Jahrtausends rekonstruiert. Die ersten Resultate werden hier zusammenfassend vorgestellt.

Vor Ort wurden die Böden und Ablagerungen im Detail aufgenommen. Bodenproben wurden im Labor analysiert und Holzkohlen datiert. Die aufgefundenen Böden und Ablagerungen wurden nach ihrer Entstehungszeit zeitlich geordnet und im Hinblick auf Nutzungseinflüsse interpretiert. Diese Methodenkette bezeichnen wir als „Vierdimensionale Landschaftsanalyse“.

Sie ergab die folgende Geschichte der östlichen Poike-Halbinsel in Entwicklungsphasen:

Die Entwicklung der Poike-Halbinsel (Osterinsel) seit dem 13. Jahrhundert

1. Die Entwicklung eines Palmwaldes bis etwa 1280 n. Chr.

In den Jahrzehnten vor etwa 1280 n. Chr. wuchsen Palmen am östlichen Rand der Poikehalbinsel auf fruchtbaren Böden. Die Bodenuntersuchungen belegen, dass nur eine Palmwaldgeneration existierte. Die Röhren der Palmwurzeln haben sich bis heute im Boden erhalten. Möglicherweise wurden die Palmen bereits von Menschen gepflanzt.

2. Ein Brand zerstört den Palmwald um 1280 n. Chr.

Eine Palmnuss mit Frasspuren

Über dem Boden mit den Röhren der Palmwurzeln liegt eine wenige Millimeter dünne schwarze Schicht. Sie besteht aus verbrannten Pflanzenteilen, darunter befinden sich zahlreiche Nüsse der heute ausgestorbenen Palme Jubaea. Unter dem Mikroskop fanden wir Fraßspuren von Ratten an den Palmnüssen. Offenbar haben Menschen die Palmen gerodet und gezielt Pflanzenreste verbrannt. Datierungen der verkohlten Nussreste belegen, dass der Brand um 1280 n. Chr. (+/-25 Jahre) stattfand.

3. Die Anlage von Dörfern mit Zeremonialplattformen und Gräbern um 1280 n. Chr.

Wenige Zehnermeter vom Rand der Steilküste entfernt wurden bald nach dem Brand Siedlungen angelegt. Ahus und Gräber blieben bis heute erhalten.

4. Bodenerosion im Ackerland, Schichten umhüllen die Siedlungen von etwa 1280 bis 1380 n. Chr.

Im Verlauf von nur einem Jahrhundert lösen mehrere hundert Starkregen auf dem Ackerland oberhalb der Siedlungen Bodenpartikel ab, die im Siedlungsbereich als feine Schichten abgelagert werden. Mehr als 400 meist nur etwa einen Millimeter mächtige Sand- und Lehmbänder lagerten sich ab. Die feinen Schichten umhüllten die Ahus. Schließlich ragten sie nur noch wenige Zentimeter über der Oberfläche der feinen Schichten heraus. Die häufigen Überschwemmungen der Siedlungsplätze werden das Leben der Menschen beeinträchtigt haben. Mehrfach im Jahr waren die Dörfer schlammbedeckt.



 
Die Entwicklung der östlichen Poike-Halbinsel (10-fach überhöht)


5. Die Aufgabe der Siedlungen und des Ackerbaus um 1380 n. Chr.

Entscheidend für die Aufgabe der Siedlungen dürften jedoch kaum die jährlichen Bedeckungen mit Schlamm oder Sand sein. Vielmehr könnten zwei weitere Befunde zum Grund der Siedlungsaufgabe führen.

Die geringe Fruchtbarkeit der Sande führte sehr wahrscheinlich zur Beendigung des Ackerbaus und wahrscheinlich auch zur Aufgabe der Siedlungen.

6. Die Stabilität der Oberfläche von etwa 1380 bis 1880 n. Chr.

In den folgenden Jahrhunderten wurde der Osten der Poike-Halbinsel nicht ackerbaulich oder als Weideland genutzt. Vegetation bedeckte die Oberfläche und schützte vor Bodenerosion.

7. Intensivierung der Nutzung und starke Bodenerosion seit dem späten 19. Jh.

Bodenerosion schuf eine Schlucht

Mit dem Beginn der Schafweide im späten 19. Jahrhundert wurde die Vegetationsdecke lokal zerstört und Bodenerosion durch Oberflächenabfluß während starker Niederschläge und durch Wind ermöglicht. In der zweiten Hälfte des 20. Jh. löste Rinderweide die Schafweide ab. In kaum mehr als einem Jahrhundert wurden am östlichen Rand der Poike-Halbinsel die von etwa 1280 bis 1380 n. Chr. abgelagerten feinen Schichten, die Brandschicht mit den Palmnüssen, die Ahus und Gräber sowie die Böden mit den Palmwurzelröhren weitgehend abgetragen. Die Landschaft besitzt heute einen wüstenhaften Charakter.

Die menschengemachte Wüste im Osten der Poike-Halbinsel

8. Der Handlungsbedarf im frühen 21. Jh.

Ohne eine rasche Bekämpfung der Bodenerosion werden sowohl die Siedlungsreste als auch die Überbleibsel von Ackerbau und Bodenablagerungen in wenigen Jahrzehnten vollkommen vernichtet sein.


 
 
 
 
 
 

Literatur:

Andreas Mieth, Hans-Rudolf Bork und Ingo Feeser (2002): Prehistoric and Recent Land Use Effects on Poike Peninsula, Easter Island (Rapa Nui). Rapa Nui Journal.

Andreas Mieth, Hans-Rudolf Bork und Ingo Feeser


 

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